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Biovitis Aktuell im Juni

von Robert Scherz (15. Juni 2008)

frisch bestäubten Gescheine Seit letzter Woche hängen in den Rebreihen an einigen Stellen nummerierte weisse Papierbeutel. Darin verpackt sind die frisch bestäubten Gescheine geschützt gegen fremde Pollen. Valentin Blattner hat mit seiner Equipe neue Sorten gezüchtet. Eine Arbeit die viel Fingerspitzengefühl erfordert.

Im Juni, kurz bevor die Gescheine blühen, werden einzelne Blütenstände der Reben sog. "kastriert", das heisst das Hütchen der Blüte und die Staubfäden werden fein säuberlich mit der Pinzette entfernt, dann wird die Blüte mit Blütenstaub einer andern Rebsorte bestäubt und nachher gegen Fremdbestäubung eingepackt. Wer mit wem bestäubt wird, überlässt Valentin nicht einfach dem Zufall. Es ist Teil seines Konzepts: Von dieser Pflanze den guten Wuchs, von dieser vielleicht eine frühe Reife, von jener die feine Aromatik usw. und dazu spielt immer auch viel Zufall mit. Was dabei herauskommt, kann nur die Zukunft zeigen.

frisch geschnittene Rebe

In diesen weissen Säcklein werden im Laufe des Sommers Trauben wachsen, deren Kerne bereits das Erbgut dieser neuen Züchtung enthalten. Das Arbeitsziel ist, diese Kerne im Herbst zu ernten, zu reinigen und zu trocknen. Im Laufe des nächsten Frühjahres werden diese Kerne als Samen ausgesät und im ersten Jahr bereits als ein neues kleines Rebenpflänzchen heranwachsen, mit neuen Eigenschaften und einer neuen Zuchtnummer versehen. Natürlich werden diese neuen Eigenschaften in den kommenden Jahren auf grosses Interesse stossen, bis später einmal, wenn die Rebe ihre ersten Früchte trägt. Bis zu diesem Zeitpunkt jedoch sind einige gekreuzte Jungpflanzen wegen Pilzbefall bereits selektiv entfernt worden – das Auswahlverfahren ist hart und nur die widerstandsfähigsten kommen weiter.

Bis in Zukunft einmal eine Reihe mit zwanzig Pflanzen dasteht, von der dann erst noch Wein degustiert werden kann, vergehen meistens fünf bis zehn Jahre. Und von den damals gezüchteten Samen hat höchstens jeder Tausendste jemals dieses Stadium erreicht. Bis zu diesem Zeitpunkt ist mit der Rebe noch kein Geld verdient worden, die lange Arbeit hat höchstens viel Geld gekostet. Darum darf man es wirklich nochmals wiederholen: Wer Reben züchtet braucht viel Erfahrung und einen langen Atem auf dem Weg zum Erfolg. Hier möchte Biovitis gerne mithelfen.


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Biovitis Aktuell im April

von Robert Scherz (6. April 2008)

weinende Rebe Die frisch geschnittenen Reben "weinen" – ein Zeichen, dass der frische Saftstrom in den Pflanzen eingesetzt hat: Der Frühling ist nicht mehr weit! Gut, dass die Reben gebunden sind, die Knospen dürfen sich nun entfalten, der Austrieb kann beginnen.

Ende März trafen sich an der Forschungsanstalt Agroscope Wädenswil etwa vierzig interessierte PIWI-Winzer, Rebschulisten und weitere Gäste zu einer Degustation der 2007 gekelterten Versuchsweine der neusten Sorten, welche in Versuchsrebbergen stehen, unter anderem auch solche vom Biovitis-Rebberg. Dabei waren viele Sorten von Valentin Blattner und einige von Agroscope Changins. frisch geschnittene Rebe Es galt zu zeigen, dass sich die Züchterarbeit bei den pilzwiderstandsfähigen Rebsorten auf einem guten Weg befindet: Einige der Probiersorten lösten echte Sympathien aus und werden sich durchsetzen. Bei anderen wurde vielleicht mehr erwartet an Gehalt und Bouquet, bei weiteren wird es wohl so sein wie schon öfter – sie werden wieder von der Bildfläche verschwinden. Züchterarbeit ist eine harte, zeitraubende Tätigkeit. Leider ist es auch nicht immer so, dass was den Züchter erstmals erfreut, in der Flasche dann weiter begeistert. Es spielen so viele Teile mit, bis sich eine PIWI-Rebe im Erwerbanbau durchsetzen kann: der Wuchs, die Anfälligkeit für Krankheiten, die Früchte, die Geschmacksrichtung im Wein etc. Es gibt einige Neue wo alles stimmt. Wir haben aber auch einige Sorten, wo fast alles stimmt - bis zu einem kleinen Detail, vielleicht eine zu dünne Beerenhaut - und schon ist ein Weiterbestehen der Sorte fraglich.

Züchterarbeit bei Reben ist nichts für Leute mit kurzfristigen Erfolgsabsichten. Hier sind andere Fähigkeiten gefragt, wie Spürsinn, Naturbeobachtung, Geduld und viel Ausdauer. Rebenzüchter brauchen einen langen Atem – die Rebenzüchter für PIWI-Sorten einen noch längeren.




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Biovitis Aktuell im Februar

von Robert Scherz (18. Februar 2008)

Auge im winterlichen Rebholz Das Alte macht dem Neuen Platz... Es ist Zeit die Reben zu schneiden. Der Rebschnitt ist neben dem Erlesen im Mai die kreativste Tätigkeit im Rebjahr. Ich kenne kaum Winzer, die diese Arbeit nicht gerne tun, weil damit viele neue Entscheidungen der kommenden Wachstumszeit zusammenhängen. Es macht Freude, mit Respekt das rohe winterliche Holz zu betrachten, zu wissen, dass in jedem dieser noch eingeschlossenen Augen bereits die Blätter und Trauben für den Sommer eingeschlossen sind - alle im letzten Herbst in der Knospe schon entwickelt und doch noch eingefaltet. Ein Wunder der Natur wartet hier, sich entfalten zu können. Vielleicht schauen wir beim alten Holz nochmals zurück, sehen wie letztes Jahr geschnitten wurde, bewerten das Wachstum im vergangenen Jahr und wissen was wir anders machen wollen. Zeigt der Rebstock Schwächen? Wo kann er gestärkt werden? An der Basis vielleicht um Holz zu erneuern? Es ist klar: Rebschnitt und später auch das Erlesen regt Wachstum und Fruchtbarkeit an. Warum nicht damit auch etwas Experimentieren?

Rebschnitt Viele PIWI-Sorten haben ein ungebremstes Wachstum und neigen daher in der Blüte stark zum Verrieseln. Mit einer anderen Erziehungsform (z.B. Cordon) und einer längeren Rute von der Basis her (welche dann nach der Blüte noch entfernt werden muss) kann man die ungestüme Kraft wieder besser einpendeln. Gegenteilige Massnahmen gelten für die schwachwüchsigen Rebstöcke. Durch einen kürzeren Strecker und das Fördern der Kraft an der Basis haben wir (erst im nächsten Jahr) wieder mehr und stärkeres Holz um auswählen zu können.

Jede Rebe ist ein originales Individuum und darum kann Rebenschneiden zu einem kreativen Dialog mit der Pflanze werden. Etwa mit der Frage: Wie und wo kann ich zur Förderung beitragen? Nicht umsonst heisst diese Tätigkeit in der französischen Sprache so treffend: Elever les vignes.




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Biovitis Aktuell im Januar

von Robert Scherz (17. Januar 2008)

flüssige SonneDer Volksmund bezeichnet Wein gerne als flüssige Sonne. Jetzt in den sonnenarmen Monaten darf man sich ruhig auch mit den gesundheitlichen Aspekten des Trauben- und des Weingenusses auseinandersetzen. Dazu habe ich seit längerem wieder einmal im Buch "andere Rebsorten" von Pierre Basler herumgestöbert und die folgenden interessanten Aussagen gefunden. Unter dem Titel "Trauben und Wein sind gesund" (Kapitel 9.2) kann man folgendes lesen:

"...die Substanz Resveratrol, ein pflanzeneigener Abwehrstoff gegen Pilzkrankheiten, besitzt einen positiven Einfluss auf den menschlichen Organismus. Resveratrol kommt ausser in Reben in verschiedenen Pflanzen vor und gilt in der japanischen und chinesischen Medizin als Heilmittel bei Arterienverkalkung, hohen Blutfettwerten oder allgemein bei Herzerkrankungen. Resveratrol findet sich in Vinifera-Reben und deren Weinen je nach Anbaubedingungen in unterschiedlich grossen Mengen, aber ganz besonders in pilzwiderstandfähigen Reben mit hoher Resistenz. Diese phenolische Substanz befindet sich ausser in den übrigen Pflanzenorganen in der Beerenhaut und deshalb vor allem in Rotweinen. (...) Aktuelle Forschungen zeigen zudem, dass Weine von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten ein tieferes Redoxpotential aufweisen als herkömmliche Weine. Ein tiefes Redoxpotential bedeutet, dass das betreffende Lebensmittel eine relativ starke Eigenschaft besitzt, freie Radikale, die für den Organismus schädlich sind, zu "fangen", das heisst unschädlich zu machen. Derartige Lebensmittel könnte man als besonders bekömmlich betrachten..."

tägliches Glas Neueste Forschungen laufen genau in diese Richtung und die Substanz Resveratrol könnte sich vielleicht bald als eine Art natürlicher Anti-Aging-Stoff entpuppen und damit würde sich bestätigen, dass das tägliche Glas (naturnah produzierter) Rotwein zur Erhaltung der Gesundheit beitragen kann.

Das Buch "andere Rebsorten" von Pierre Basler ist im Verlag Stutz Druck AG, Wädenswil im Jahr 2003 erschienen und immer noch erhältlich.




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Biovitis Aktuell im Dezember

von Robert Scherz (18. Dezember 2007)

Trauben aus der zweiten Blüte Im Rebberg kann man immer noch Trauben hängen sehen. Es sind die Trauben aus der zweiten Blüte, welche dieses Jahr auch noch beinahe reif wurden. Wir überlassen sie gerne unsern hier über den Winter bleibenden Vögeln als willkommene Nahrung in der kalten Jahreszeit. Überhaupt geben wir jetzt einiges in den Kreislauf dem Boden zurück, wie etwa die Tresterresten mit ihren ölhaltigen Kernen, eine Gabe aus Steinmehl und später das Schnittholz.

aus dem Weinkeller Sonst jedoch herrscht im Rebberg Winterruhe. Für uns ist jetzt Zeit Bilanz zu ziehen über mehr oder weniger Erfolgreiches des vergangenen Rebjahres: Was würde man nächstes Jahr anders machen, will man vielleicht neue Pflanzen bestellen, eine nicht erfolgreiche Sorte ersetzen? Bei der Kelterung neue Wege beschreiten? Diese Fragen wird man sich jetzt in Ruhe stellen, während man in der warmen Stube mit Freunden die ersten Muster aus dem Weinkeller degustiert.

Nach der Wintersonnenwende (am 21. Dezember), wenn die Dunkelheit der Tage abnimmt und die Kraft der Sonne uns zur Tätigkeit nach draussen lockt, werden wir Rebenfreunde es wohl kaum erwarten können, ein neues Weinjahr mit all seinen Arbeiten in Angriff zu nehmen.

Biovitis wünscht allen schöne Festtage!




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Biovitis Aktuell im November

von Robert Scherz (16. November 2007)

Vielfältigkeit der Kelterungen Wenn die Tage immer kürzer werden, kehrt im Rebberg Ruhe ein. Im Keller hingegen reifen die geborgenen Schätze des Herbstes ruhig weiter. Nach dem Pressen und der Gärung folgt jetzt der Umbau der Säuren im jungen Wein. Dass aber jetzt im Keller die Aromen reifen können, dafür war die vergangene Zeit mit sehr viel Arbeit verbunden. Dank guter Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt Agroscope Wädenswil sind die Trauben aus dem Sortengarten geerntet, aus jeder Rebzeile eine eigene Sorte, und dort in der Kellerei sorgfältig verarbeitet worden. Nun warten diese Weine, jeder in seinem kleinen Gefäss, versehen mit Gärröhren, dass sie ihre Eigenart preisgeben können. Irgendwann im Februar werden sie in kleine Flaschen gefüllt um von Fachleuten beurteilt zu werden. Alles dreht sich nun um die Frage: Hat diese Rebensorte eine Zukunft als neue Weinsorte zu bestehen? Wie ist die Aromatik zu beurteilen? Wird sie beim Konsumenten auf Akzeptanz stossen?

Es waren dabei einige Jahre Arbeit nötig, um auf dem Weg vom kleinen Sämling zum Rebstock herauszufinden ob dieser oder jener PIWI-Wein anbauwürdig ist. Beurteilt werden dabei die Wuchsform der Pflanze, ihre Anfälligkeit auf Pilzkrankheiten, die Eigenschaften der Trauben in der Reife und was für ein Wein, mit welchem Charakter damit gekeltert werden kann. Irgendwann möchte man später auch wissen, wie diese Rebe sich in einem anderen Mikroklima, anderen Böden oder mit mehr Krankheitsdruck bewähren wird. Dann wäre auch interessant zu wissen, ob die gezüchtete Pilzfestigkeit auch noch in ein paar Jahren anhält, oder ob dies alles nur von kurzer Dauer war. Alles Fragen die sich im Sortengarten nach getaner Arbeit stellen müssen.

Vorläufig haben alle diese Sorten eine Nummer des Züchters. Werden sie auf ihrem Weg zum Erfolg wohl bald auch einen klingenden Namen haben?




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Biovitis Aktuell im Oktober

von Robert Scherz (21. Oktober 2007)

Valentin Blattner und Philippe BorioliDen Biovitis-Förderpreis verleihen zu dürfen, bedeutet für die Mitglieder des Stiftungsrates jedes Jahr eine grosse Freude. Dieses Jahr wurde am 11. Oktober 2007 zum 15. und 16. Mal in Folge ein solcher Preis übergeben. Die Preisträger sind die als Team arbeitenden Valentin Blattner aus Soyhières und Philippe Borioli aus Bevaix. In einer kleinen Feier wurde die Arbeit der beiden, die des Rebenzüchters und jene des Rebschulisten, gewürdigt.

Valentin Blattner sucht in einer bereits zwanzigjährigen Züchtungsarbeit nach pilzfesten (PIWI) Reben. Das Ziel sind Pflanzen, die mit einem Minimum an Spritzungen gesund bleiben, weniger Arbeit im Rebberg benötigen und von denen neue, schmackhafte Weine entstehen. Neue Wege also, um vor allem im Bioweinbau zu neuen Zielen zu gelangen. Seine rote Züchtung "Cabernet Jura" z.B. wird nun bereits zur Erfolgsgeschichte und mit seinen neusten Cal-Sorten gehen in geschmacklicher Richtung Türen auf, die vielversprechend sind.

Philippe Borioli ist der Anwender und Rebveredler dieser neuen Sorten. Denn wenn jährlich hunderter neuer Sämlingspflanzen gepflegt, begutachtet, veredelt und einige dann bis zur ersten Probevinifikation begleitet werden müssen, sind das Arbeiten die viel Erfahrung und Beobachtungsgabe erfordern.

Der Stiftungsrat von Biovitis ist überzeugt, dass ohne die innovative, aufwändige Arbeit der beiden Fachleute die Sortenvielfalt für einen ökologischen Rebbau in der Schweiz und im nahen Ausland noch kaum einen so grossen Stellenwert hätte. Im Gegenteil: Ihnen ist es zu verdanken, dass sich auch die Forschungsanstalten mit eigenen Versuchen, Fachdiskussionen und Fachdegustationen an der Verbreitung dieser PIWI-Sorten beteiligen.

Wir von Biovitis wünschen uns, von dieser Erfolgsgeschichte in Zukunft noch mehr berichten zu können.




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Der Versuchsrebberg im September

von Robert Scherz (28. September 2007)

Für jeden, der sich mit Reben beschäftigt, kommt nun der krönende Abschluss: Die Traubenlese kann beginnen. Zwar macht sich immer noch Nervosität bemerkbar, wenn es ums Wetter geht. Bleibt jetzt wenigstens der September trocken? Beginnen gewisse Sorten bereits zu faulen? Klar, dass man jetzt die goldenen Septembertage geniesst und jeden Tag ein paar Oechslegrade dazu zählen kann.

Messung mit dem RefraktometerDie Oechslegrade sind eine Skala für die Zuckermessung in den Beeren, gemessen wird mit dem Refraktometer. Dieses misst mittels Lichtbrechung den Zuckersaft in den Beeren. Aus Erfahrung weiss man, dass ein gewisser minimaler Zuckergehalt bei den PIWI-Sorten erreicht werden sollte (mindestens 80-90 Oe°), dass aber auch auf die Säure der Trauben geachtet werden muss. Parallel zur Zuckerbildung veratmen die Beeren jetzt einen Teil ihrer Säure. Léon Millot zum Beispiel, eine alte französische Sorte, kann gut und gern einmal seine Säure zu stark einbüssen. Dann wird es schwierig, dass die Haltbarkeit des Jungweines nicht in Frage gestellt ist. Oder man muss künstlich aufsäuern. Auch dieses Jahr beobachten wir bei gewissen Sorten Lahmstieligkeit, eine Erscheinung, bei der das grüne Traubengerüst langsam abstirbt und die Beeren mit der Reife stoppen. Bei der Ernte muss darauf geachtet werden, dass die unreifen Beeren entfernt werden.

Messung mit dem RefraktometerDie meisten Neuzüchtungen bieten glücklicherweise keine Kelterprobleme, ausser eben die optimale Reife zu finden. Darum beginnt jetzt im Versuchsrebberg die beste und intensivste Arbeit. Was jetzt folgt, sind der Lohn und die Resultate für die Anstrengungen des Jahres: Es wird gemessen, gewogen, beurteilt und Buch geführt. Aber es wird auch bereits wieder daran gedacht, was im nächsten Jahr anders oder neu angegangen werden muss. Da gibt es Sorten, die sind trotz zwei Fungizidbehandlungen einfach beinahe entlaubt und die Trauben beschädigt. Hier wird man sich bereits überlegen die Stöcke im Winter auszureissen um im Frühling Platz zu erhalten für neue Züchtungen von Valentin Blattner.




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Der Versuchsrebberg im August

von Robert Scherz (15. August 2007)

Jetzt zeigt sich die ganze Vorschau auf die frühe Ernte - üppige Trauben mit grossen Beeren. In den nächsten drei Wochen werden die ersten Sorten gepresst: Ein sehr frühes Jahr also.

Die Mitglieder des Stiftungsrates Biovitis treffen sich im Versuchsrebberg Von dem überzeugten sich auch die Mitglieder des Stiftungsrates von Biovitis, welche sich im Versuchsrebberg trafen, um ihre Jahresversammlung abzuhalten. Dabei wurden einmal mehr die Preisträger des Biovitis-Förderpreises bestimmt. (Lesen sie an dieser Stelle mehr über die Preisverleihung in unserer Aktualität vom Oktober.)

Für alle jene Interessierten, welche die Vielfalt der neueren und älteren Züchtungen von PIWI-Sorten einmal aus der Nähe ansehen wollen, jetzt wäre der Zeitpunkt da, um sich davon zu überzeugen, dass Rebbau ohne oder mit einem Minimum an Spritzeinsatz möglich ist. Diese neuen Reben sind oft erstaunlich "fruchtfreudig", haben eine frühe Holzreife (was für Cabernet Jura den Weinbauer ebenfalls von Wichtigkeit ist) und ergeben zum Teil fruchtige Weine mit schöner Struktur. Ich denke da vor allem an die rote Sorte "Cabernet Jura" (siehe Bild). Es ist eine jener hoffnungsvollen Neuzüchtungen welche sich auch im Keller problemlos vinifizieren lässt und davon bin ich überzeugt, an Wichtigkeit im Weinbau unserer Breiten zunehmen wird. Der Schweizer Züchter Valentin Blattner hat diese Rebe genau für unsere Anbauverhältnisse in der Ostschweiz konzipiert.

Falls Sie sich persönlich davon überzeugen wollen, können Sie den Versuchsrebberg jetzt besuchen, dazu melden Sie sich einfach per E-mail an: rob.scherz@biovitis.ch.




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Der Versuchsrebberg im Juli

von Robert Scherz (13. Juli 2007)

Hundert Tage dauert die Zeit von der Blüte bis zur Beerenreife, sagt eine alte Bauernregel. Damit wären wir jetzt bereits über der Hälfte der Zeit hinaus bis zur Ernte. Das dürfte ja auch richtig sein, denn die Tage werden bereits kürzer... Nur, finden wir, der eigentliche Sommer mit seiner Trockenheit und Wärme hat bis jetzt noch gar nicht richtig begonnen. Denn die Reben lieben das feuchte und nasse Klima nicht besonders, das sieht man ihnen auch an - das Wachstum der Schosse schien Anfang Juli stark gebremst.

Farbumschlag bei einer roten Sorte Jetzt kommt die Zeit des Farbumschlages bei den roten Sorten. Die gelbgrünen Beeren beginnen sich rot zu färben und die vorher noch harten Früchte werden weicher. Wir sagen: sie linden, sie werden lind.

Was jetzt folgt, sind die letzten Hürden eines allfälligen Krankheitsbefalls bis zur Ernte. Die pilzwiderstandsfähigen Sorten im Versuchsrebberg sind nicht alle gegen den Echten Mehltau (Oidium) gefeit. Bei einigen braucht es jetzt eine Behandlung mit einem schwefelhaltigen Präparat. Aber wir wissen, Netzschwefel, den wir verwenden, ist biokonform, quasi ein Naturprodukt.

Rebschnitt: Entfernen von überschüssigen Trauben Auch für eine gut besonnte und belüftete Traubenzone müssen wir sorgen, damit die Trauben schnell abtrocknen können. Und es wird jetzt bereits Zeit, die Traubenzahl oder besser gesagt das Gewicht pro Stock abzuschätzen. Da die meisten Neuzüchtungen hier im Rebberg im wahrsten Sinne des Wortes sehr fruchtbar sind, muss die Menge auf ein vernünftiges Mass reduziert werden, damit die Traubenreife die angestrebten Oechslegrade (gleichbedeutend mit Qualität) auch erreichen kann. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Pflanzen, welche sich selbst überlassen werden, nur noch Kilos produzieren und im folgenden Jahr an Wuchskraft einbüssen. Bei gewissen Versuchssorten liegt darum in diesen Tagen die Hälfte der Ernte bereits auf dem Boden.




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Der Versuchsrebberg im Juni

von Robert Scherz (20. Juni 2007)

Rebenblatt mit abgestopptem Mehltaubefall Das Wachstum der Reben im Juni ist beeindruckend. Kaum sind die ersten jungen Triebe im Doppeldraht eingeschlauft, dann in den zweiten, schon gilt es die längsten Schosse ganz oben zu kappen. Dies alles innert vierzehn Tagen seit dem Blühen. Das warme Klima mit den Regenfällen schafft die idealen Bedingungen dafür. Jedoch nicht nur für das Wachstum, leider auch für Krankheiten wie Peronospora oder Oidium (falscher- und echter Mehltau). Während Rebberge in der Nachbarschaft schon mindestens vier Spritzungen hinter sich haben, war hier im Versuchsrebberg noch keine nötig. Erstaunlich wie pilzwiderstandsfähige Sorten, sog. PIWI-Sorten durch ihre Züchtung vor allem im Vorsommer einen erstaunlich guten Abwehrmechanismus in sich eingebaut haben. Die befallene Pflanze kann den Befall selbst abstoppen. Man sieht zwar vereinzelt Kranheitssymtome an Blättern - Totalschäden jedoch sind selten. Und im Laufe der Jahre weiss man bei welcher Sorte man als Zeigerpflanze zuerst "informiert wird". Meist ist dann noch Zeit um sich zu entscheiden: muss jetzt eingegriffen werden oder schafft es die Sorte selbst gesund zu bleiben? Hier stehen z.B. neue Cal-Sorten von Valentin Blattner und darunter sind solche die bleiben das ganze Jahr unbehandelt. Bei anderen genügen vielleicht zwei Behandlungen mit Netzschwefel.

Den Versuchsrebberg zu betreuen ist anspruchsvoll: Die Pflanzen können nicht einfach sich selbst überlassen werden. Es müssen gute Bedingungen für das Bodenleben der Wurzeln, oder für gute Durchlüftung der Laubwand gesorgt werden. Die Pflanze muss über längere Zeit beobachtet, begutachtet, bonitiert werden. So gibt es Reben die werden in den ersten Jahren kaum krank, doch plötzlich lässt die Resistenz nach. Wieder andere werden im Laufe der Zeit erst stärker. Möglicherweise alles eine Frage der Umstände im Boden und des Mikroklimas.