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Der Versuchsrebberg im Juni
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Das Wachstum der Reben im Juni ist beeindruckend. Kaum sind die ersten jungen
Triebe im Doppeldraht eingeschlauft, dann in den zweiten, schon gilt es die
längsten Schosse ganz oben zu kappen. Dies alles innert vierzehn Tagen
seit dem Blühen. Das warme Klima mit den Regenfällen schafft die
idealen Bedingungen dafür. Jedoch nicht nur für das Wachstum, leider
auch für Krankheiten wie Peronospora oder Oidium (falscher- und echter
Mehltau). Während Rebberge in der Nachbarschaft schon mindestens vier
Spritzungen hinter sich haben, war hier im Versuchsrebberg noch keine nötig.
Erstaunlich wie pilzwiderstandsfähige Sorten, sog. PIWI-Sorten durch ihre
Züchtung vor allem im Vorsommer einen erstaunlich guten Abwehrmechanismus
in sich eingebaut haben. Die befallene Pflanze kann den Befall selbst abstoppen.
Man sieht zwar vereinzelt Kranheitssymtome an Blättern - Totalschäden
jedoch sind selten. Und im Laufe der Jahre weiss man bei welcher Sorte man als
Zeigerpflanze zuerst "informiert wird". Meist ist dann noch Zeit um sich zu
entscheiden: muss jetzt eingegriffen werden oder schafft es die Sorte selbst
gesund zu bleiben? Hier stehen z.B. neue Cal-Sorten von Valentin Blattner und
darunter sind solche die bleiben das ganze Jahr unbehandelt. Bei anderen
genügen vielleicht zwei Behandlungen mit Netzschwefel.
Den Versuchsrebberg zu betreuen ist anspruchsvoll:
Die Pflanzen können nicht einfach sich selbst überlassen werden. Es
müssen gute Bedingungen für das Bodenleben der Wurzeln, oder für gute
Durchlüftung der Laubwand gesorgt werden. Die Pflanze muss über längere
Zeit beobachtet, begutachtet, bonitiert werden. So gibt es Reben die werden in den
ersten Jahren kaum krank, doch plötzlich lässt die Resistenz nach. Wieder
andere werden im Laufe der Zeit erst stärker. Möglicherweise alles eine Frage
der Umstände im Boden und des Mikroklimas.
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Der Versuchsrebberg im Juli
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Hundert Tage dauert die Zeit von der Blüte bis zur Beerenreife, sagt eine alte
Bauernregel. Damit wären wir jetzt bereits über der Hälfte der Zeit
hinaus bis zur Ernte. Das dürfte ja auch richtig sein, denn die Tage werden bereits
kürzer... Nur, finden wir, der eigentliche Sommer mit seiner Trockenheit und
Wärme hat bis jetzt noch gar nicht richtig begonnen. Denn die Reben lieben das
feuchte und nasse Klima nicht besonders, das sieht man ihnen auch an - das Wachstum
der Schosse schien Anfang Juli stark gebremst.
Jetzt kommt die Zeit des Farbumschlages bei den roten Sorten. Die gelbgrünen
Beeren beginnen sich rot zu färben und die vorher noch harten Früchte werden
weicher. Wir sagen: sie linden, sie werden lind.
Was jetzt folgt, sind die letzten Hürden eines allfälligen Krankheitsbefalls
bis zur Ernte. Die pilzwiderstandsfähigen Sorten im Versuchsrebberg sind nicht alle
gegen den Echten Mehltau (Oidium) gefeit. Bei einigen braucht es jetzt eine Behandlung mit
einem schwefelhaltigen Präparat. Aber wir wissen, Netzschwefel, den wir verwenden,
ist biokonform, quasi ein Naturprodukt.
Auch für eine gut besonnte und belüftete Traubenzone müssen wir sorgen,
damit die Trauben schnell abtrocknen können. Und es wird jetzt bereits Zeit, die
Traubenzahl oder besser gesagt das Gewicht pro Stock abzuschätzen. Da die meisten
Neuzüchtungen hier im Rebberg im wahrsten Sinne des Wortes sehr fruchtbar sind,
muss die Menge auf ein vernünftiges Mass reduziert werden, damit die Traubenreife
die angestrebten Oechslegrade (gleichbedeutend mit Qualität) auch erreichen kann.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Pflanzen, welche sich selbst überlassen werden,
nur noch Kilos produzieren und im folgenden Jahr an Wuchskraft einbüssen. Bei gewissen
Versuchssorten liegt darum in diesen Tagen die Hälfte der Ernte bereits auf dem Boden.
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Der Versuchsrebberg im August
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Jetzt zeigt sich die ganze Vorschau auf die frühe Ernte - üppige Trauben mit grossen Beeren.
In den nächsten drei Wochen werden die ersten Sorten gepresst: Ein sehr frühes Jahr also.
Für alle jene Interessierten, welche die Vielfalt der neueren und älteren Züchtungen
von PIWI-Sorten einmal aus der Nähe ansehen wollen, jetzt wäre der Zeitpunkt da, um sich davon
zu überzeugen, dass Rebbau ohne oder mit einem Minimum an Spritzeinsatz möglich ist.
Diese neuen Reben sind oft erstaunlich "fruchtfreudig", haben eine frühe Holzreife (was für
den Weinbauer ebenfalls von Wichtigkeit ist) und ergeben zum Teil fruchtige Weine mit schöner Struktur.
Ich denke da vor allem an die rote Sorte "Cabernet Jura" (siehe Bild). Es ist eine jener hoffnungsvollen
Neuzüchtungen welche sich auch im Keller problemlos vinifizieren lässt und davon bin ich
überzeugt, an Wichtigkeit im Weinbau unserer Breiten zunehmen wird. Der Schweizer Züchter
Valentin Blattner hat diese Rebe genau für unsere Anbauverhältnisse in der Ostschweiz konzipiert.
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Der Versuchsrebberg im September
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Für jeden, der sich mit Reben beschäftigt, kommt nun der krönende Abschluss:
Die Traubenlese kann beginnen. Zwar macht sich immer noch Nervosität bemerkbar, wenn es
ums Wetter geht. Bleibt jetzt wenigstens der September trocken? Beginnen gewisse Sorten bereits
zu faulen? Klar, dass man jetzt die goldenen Septembertage geniesst und jeden Tag ein paar
Oechslegrade dazu zählen kann.
Die Oechslegrade sind eine Skala für die Zuckermessung
in den Beeren, gemessen wird mit dem Refraktometer. Dieses misst mittels Lichtbrechung den
Zuckersaft in den Beeren. Aus Erfahrung weiss man, dass ein gewisser minimaler Zuckergehalt
bei den PIWI-Sorten erreicht werden sollte (mindestens 80-90 Oe°), dass aber auch auf die
Säure der Trauben geachtet werden muss. Parallel zur Zuckerbildung veratmen die Beeren
jetzt einen Teil ihrer Säure. Léon Millot zum Beispiel, eine alte französische
Sorte, kann gut und gern einmal seine Säure zu stark einbüssen. Dann wird es schwierig,
dass die Haltbarkeit des Jungweines nicht in Frage gestellt ist. Oder man muss künstlich
aufsäuern. Auch dieses Jahr beobachten wir bei gewissen Sorten Lahmstieligkeit, eine
Erscheinung, bei der das grüne Traubengerüst langsam abstirbt und die Beeren mit der
Reife stoppen. Bei der Ernte muss darauf geachtet werden, dass die unreifen Beeren entfernt werden.
Die meisten Neuzüchtungen bieten glücklicherweise
keine Kelterprobleme, ausser eben die optimale Reife zu finden. Darum beginnt jetzt im Versuchsrebberg
die beste und intensivste Arbeit. Was jetzt folgt, sind der Lohn und die Resultate für die
Anstrengungen des Jahres: Es wird gemessen, gewogen, beurteilt und Buch geführt. Aber es wird
auch bereits wieder daran gedacht, was im nächsten Jahr anders oder neu angegangen werden muss.
Da gibt es Sorten, die sind trotz zwei Fungizidbehandlungen einfach beinahe entlaubt und die Trauben
beschädigt. Hier wird man sich bereits überlegen die Stöcke im Winter auszureissen
um im Frühling Platz zu erhalten für neue Züchtungen von Valentin Blattner.
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Der Sortengarten im Oktober
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Den Biovitis-Förderpreis verleihen zu dürfen,
bedeutet für die Mitglieder des Stiftungsrates jedes Jahr eine grosse Freude. Dieses
Jahr wurde am 11. Oktober 2007 zum 15. und 16. Mal in Folge ein solcher Preis übergeben.
Die Preisträger sind die als Team arbeitenden Valentin Blattner aus Soyhières und
Philippe Borioli aus Bevaix. In einer kleinen Feier wurde die Arbeit der beiden, die des
Rebenzüchters und jene des Rebschulisten, gewürdigt.
Valentin Blattner sucht in einer bereits zwanzigjährigen Züchtungsarbeit nach
pilzfesten (PIWI) Reben. Das Ziel sind Pflanzen, die mit einem Minimum an Spritzungen gesund bleiben,
weniger Arbeit im Rebberg benötigen und von denen neue, schmackhafte Weine entstehen. Neue
Wege also, um vor allem im Bioweinbau zu neuen Zielen zu gelangen. Seine rote Züchtung
"Cabernet Jura" z.B. wird nun bereits zur Erfolgsgeschichte und mit seinen neusten Cal-Sorten
gehen in geschmacklicher Richtung Türen auf, die vielversprechend sind.
Philippe Borioli ist der Anwender und Rebveredler dieser neuen Sorten. Denn wenn jährlich
hunderter neuer Sämlingspflanzen gepflegt, begutachtet, veredelt und einige dann bis zur
ersten Probevinifikation begleitet werden müssen, sind das Arbeiten die viel Erfahrung und
Beobachtungsgabe erfordern.
Der Stiftungsrat von Biovitis ist überzeugt, dass ohne die innovative, aufwändige
Arbeit der beiden Fachleute die Sortenvielfalt für einen ökologischen Rebbau in der
Schweiz und im nahen Ausland noch kaum einen so grossen Stellenwert hätte. Im Gegenteil:
Ihnen ist es zu verdanken, dass sich auch die Forschungsanstalten mit eigenen Versuchen,
Fachdiskussionen und Fachdegustationen an der Verbreitung dieser PIWI-Sorten beteiligen.
Wir von Biovitis wünschen uns, von dieser Erfolgsgeschichte in Zukunft noch mehr
berichten zu können.
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Der Sortengarten im November
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Wenn die Tage immer kürzer werden, kehrt im Rebberg Ruhe ein. Im Keller hingegen
reifen die geborgenen Schätze des Herbstes ruhig weiter. Nach dem Pressen und der
Gärung folgt jetzt der Umbau der Säuren im jungen Wein. Dass aber jetzt im
Keller die Aromen reifen können, dafür war die vergangene Zeit mit sehr viel
Arbeit verbunden. Dank guter Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt Agroscope Wädenswil
sind die Trauben aus dem Sortengarten geerntet, aus jeder Rebzeile eine eigene Sorte,
und dort in der Kellerei sorgfältig verarbeitet worden. Nun warten diese Weine,
jeder in seinem kleinen Gefäss, versehen mit Gärröhren, dass sie ihre
Eigenart preisgeben können. Irgendwann im Februar werden sie in kleine Flaschen
gefüllt um von Fachleuten beurteilt zu werden. Alles dreht sich nun um die Frage:
Hat diese Rebensorte eine Zukunft als neue Weinsorte zu bestehen? Wie ist die Aromatik
zu beurteilen? Wird sie beim Konsumenten auf Akzeptanz stossen?
Es waren dabei einige Jahre Arbeit nötig, um auf dem Weg vom kleinen Sämling
zum Rebstock herauszufinden ob dieser oder jener PIWI-Wein anbauwürdig ist. Beurteilt
werden dabei die Wuchsform der Pflanze, ihre Anfälligkeit auf Pilzkrankheiten, die
Eigenschaften der Trauben in der Reife und was für ein Wein, mit welchem Charakter
damit gekeltert werden kann. Irgendwann möchte man später auch wissen, wie diese
Rebe sich in einem anderen Mikroklima, anderen Böden oder mit mehr Krankheitsdruck
bewähren wird. Dann wäre auch interessant zu wissen, ob die gezüchtete
Pilzfestigkeit auch noch in ein paar Jahren anhält, oder ob dies alles nur von
kurzer Dauer war. Alles Fragen die sich im Sortengarten nach getaner Arbeit stellen
müssen.
Vorläufig haben alle diese Sorten eine Nummer des Züchters. Werden sie auf
ihrem Weg zum Erfolg wohl bald auch einen klingenden Namen haben?
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Der Sortengarten im Dezember
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Im Rebberg kann man immer noch Trauben hängen sehen. Es sind die Trauben aus
der zweiten Blüte, welche dieses Jahr auch noch beinahe reif wurden.
Wir überlassen sie gerne unsern hier über den Winter bleibenden
Vögeln als willkommene Nahrung in der kalten Jahreszeit. Überhaupt
geben wir jetzt einiges in den Kreislauf dem Boden zurück, wie etwa die
Tresterresten mit ihren ölhaltigen Kernen, eine Gabe aus Steinmehl und
später das Schnittholz.
Sonst jedoch herrscht im Rebberg Winterruhe. Für uns ist jetzt Zeit Bilanz
zu ziehen über mehr oder weniger Erfolgreiches des vergangenen Rebjahres:
Was würde man nächstes Jahr anders machen, will man vielleicht neue
Pflanzen bestellen, eine nicht erfolgreiche Sorte ersetzen? Bei der Kelterung
neue Wege beschreiten? Diese Fragen wird man sich jetzt in Ruhe stellen,
während man in der warmen Stube mit Freunden die ersten Muster aus dem
Weinkeller degustiert.
Nach der Wintersonnenwende (am 21. Dezember), wenn die Dunkelheit der Tage
abnimmt und die Kraft der Sonne uns zur Tätigkeit nach draussen lockt,
werden wir Rebenfreunde es wohl kaum erwarten können, ein neues Weinjahr
mit all seinen Arbeiten in Angriff zu nehmen.
Biovitis wünscht allen schöne Festtage!
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Der Sortengarten im Januar
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Der Volksmund bezeichnet Wein gerne als flüssige Sonne.
Jetzt in den sonnenarmen Monaten darf man sich ruhig auch mit den gesundheitlichen
Aspekten des Trauben- und des Weingenusses auseinandersetzen. Dazu habe ich seit
längerem wieder einmal im Buch "andere Rebsorten" von Pierre Basler
herumgestöbert und die folgenden interessanten Aussagen gefunden. Unter dem
Titel "Trauben und Wein sind gesund" (Kapitel 9.2) kann man folgendes lesen:
"...die Substanz Resveratrol, ein pflanzeneigener Abwehrstoff
gegen Pilzkrankheiten, besitzt einen positiven Einfluss auf den menschlichen Organismus.
Resveratrol kommt ausser in Reben in verschiedenen Pflanzen vor und gilt in der
japanischen und chinesischen Medizin als Heilmittel bei Arterienverkalkung, hohen
Blutfettwerten oder allgemein bei Herzerkrankungen. Resveratrol findet sich in
Vinifera-Reben und deren Weinen je nach Anbaubedingungen in unterschiedlich grossen
Mengen, aber ganz besonders in pilzwiderstandfähigen Reben mit hoher Resistenz.
Diese phenolische Substanz befindet sich ausser in den übrigen Pflanzenorganen
in der Beerenhaut und deshalb vor allem in Rotweinen. (...) Aktuelle Forschungen
zeigen zudem, dass Weine von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten ein tieferes
Redoxpotential aufweisen als herkömmliche Weine. Ein tiefes Redoxpotential
bedeutet, dass das betreffende Lebensmittel eine relativ starke Eigenschaft besitzt,
freie Radikale, die für den Organismus schädlich sind, zu "fangen", das
heisst unschädlich zu machen. Derartige Lebensmittel könnte man als
besonders bekömmlich betrachten..."
Neueste Forschungen laufen genau in diese Richtung und die Substanz Resveratrol
könnte sich vielleicht bald als eine Art natürlicher Anti-Aging-Stoff
entpuppen und damit würde sich bestätigen, dass das tägliche Glas
(naturnah produzierter) Rotwein zur Erhaltung der Gesundheit beitragen kann.
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Der Sortengarten im Februar
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Das Alte macht dem Neuen Platz... Es ist Zeit die Reben zu schneiden.
Der Rebschnitt ist neben dem Erlesen im Mai die kreativste Tätigkeit im Rebjahr.
Ich kenne kaum Winzer, die diese Arbeit nicht gerne tun, weil damit viele neue
Entscheidungen der kommenden Wachstumszeit zusammenhängen. Es macht Freude,
mit Respekt das rohe winterliche Holz zu betrachten, zu wissen, dass in jedem
dieser noch eingeschlossenen Augen bereits die Blätter und Trauben für
den Sommer eingeschlossen sind - alle im letzten Herbst in der Knospe schon
entwickelt und doch noch eingefaltet. Ein Wunder der Natur wartet hier,
sich entfalten zu können. Vielleicht schauen wir beim alten Holz nochmals
zurück, sehen wie letztes Jahr geschnitten wurde, bewerten das Wachstum
im vergangenen Jahr und wissen was wir anders machen wollen. Zeigt der Rebstock
Schwächen? Wo kann er gestärkt werden? An der Basis vielleicht um Holz
zu erneuern? Es ist klar: Rebschnitt und später auch das Erlesen regt
Wachstum und Fruchtbarkeit an. Warum nicht damit auch etwas Experimentieren?
Viele PIWI-Sorten haben ein ungebremstes Wachstum und neigen daher in der Blüte
stark zum Verrieseln. Mit einer anderen Erziehungsform (z.B. Cordon) und einer
längeren Rute von der Basis her (welche dann nach der Blüte noch entfernt
werden muss) kann man die ungestüme Kraft wieder besser einpendeln.
Gegenteilige Massnahmen gelten für die schwachwüchsigen Rebstöcke.
Durch einen kürzeren Strecker und das Fördern der Kraft an der Basis
haben wir (erst im nächsten Jahr) wieder mehr und stärkeres Holz um
auswählen zu können.
Jede Rebe ist ein originales Individuum und darum kann Rebenschneiden zu einem
kreativen Dialog mit der Pflanze werden. Etwa mit der Frage: Wie und wo kann ich
zur Förderung beitragen? Nicht umsonst heisst diese Tätigkeit in der
französischen Sprache so treffend: Elever les vignes.
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Der Sortengarten im April
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Die frisch geschnittenen Reben "weinen" – ein Zeichen, dass der frische Saftstrom
in den Pflanzen eingesetzt hat: Der Frühling ist nicht mehr weit!
Gut, dass die Reben gebunden sind, die Knospen dürfen sich nun entfalten,
der Austrieb kann beginnen.
Ende März trafen sich an der Forschungsanstalt Agroscope Wädenswil
etwa vierzig interessierte PIWI-Winzer, Rebschulisten und weitere Gäste
zu einer Degustation der gekelterten Versuchsweine der neusten Sorten,
welche in Versuchsrebbergen stehen, unter anderem auch solche vom Biovitis-Rebberg.
Dabei waren viele Sorten von Valentin Blattner und einige von Agroscope Changins.
Es galt zu zeigen, dass sich die Züchterarbeit bei den pilzwiderstandsfähigen
Rebsorten auf einem guten Weg befindet: Einige der Probiersorten lösten echte
Sympathien aus und werden sich durchsetzen. Bei anderen wurde vielleicht mehr
erwartet an Gehalt und Bouquet, bei weiteren wird es wohl so sein wie schon
öfter – sie werden wieder von der Bildfläche verschwinden. Züchterarbeit
ist eine harte, zeitraubende Tätigkeit. Leider ist es auch nicht immer so,
dass was den Züchter erstmals erfreut, in der Flasche dann weiter begeistert.
Es spielen so viele Teile mit, bis sich eine PIWI-Rebe im Erwerbanbau durchsetzen kann:
der Wuchs, die Anfälligkeit für Krankheiten, die Früchte, die
Geschmacksrichtung im Wein etc. Es gibt einige Neue wo alles stimmt. Wir haben
aber auch einige Sorten, wo fast alles stimmt - bis zu einem kleinen Detail,
vielleicht eine zu dünne Beerenhaut - und schon ist ein Weiterbestehen
der Sorte fraglich.
Züchterarbeit bei Reben ist nichts für Leute mit kurzfristigen
Erfolgsabsichten. Hier sind andere Fähigkeiten gefragt, wie Spürsinn,
Naturbeobachtung, Geduld und viel Ausdauer. Rebenzüchter brauchen einen
langen Atem – die Rebenzüchter für PIWI-Sorten einen noch längeren.
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Der Sortengarten im Juni
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Seit letzter Woche hängen in den Rebreihen an einigen Stellen nummerierte weisse
Papierbeutel. Darin verpackt sind die frisch bestäubten Gescheine geschützt
gegen fremde Pollen. Valentin Blattner hat mit seiner Equipe neue Sorten gezüchtet.
Eine Arbeit die viel Fingerspitzengefühl erfordert.
Im Juni, kurz bevor die Gescheine blühen, werden einzelne Blütenstände
der Reben sog. "kastriert", das heisst das Hütchen der Blüte und die
Staubfäden werden fein säuberlich mit der Pinzette entfernt, dann wird
die Blüte mit Blütenstaub einer andern Rebsorte bestäubt und nachher
gegen Fremdbestäubung eingepackt. Wer mit wem bestäubt wird, überlässt
Valentin nicht einfach dem Zufall. Es ist Teil seines Konzepts: Von dieser Pflanze den
guten Wuchs, von dieser vielleicht eine frühe Reife, von jener die feine Aromatik usw.
und dazu spielt immer auch viel Zufall mit. Was dabei herauskommt, kann nur die Zukunft
zeigen.
In diesen weissen Säcklein werden im Laufe des Sommers Trauben wachsen, deren
Kerne bereits das Erbgut dieser neuen Züchtung enthalten. Das Arbeitsziel ist,
diese Kerne im Herbst zu ernten, zu reinigen und zu trocknen. Im Laufe des nächsten
Frühjahres werden diese Kerne als Samen ausgesät und im ersten Jahr bereits als
ein neues kleines Rebenpflänzchen heranwachsen, mit neuen Eigenschaften und einer
neuen Zuchtnummer versehen. Natürlich werden diese neuen Eigenschaften in den
kommenden Jahren auf grosses Interesse stossen, bis später einmal, wenn die Rebe
ihre ersten Früchte trägt. Bis zu diesem Zeitpunkt jedoch sind einige gekreuzte
Jungpflanzen wegen Pilzbefall bereits selektiv entfernt worden – das Auswahlverfahren
ist hart und nur die widerstandsfähigsten kommen weiter.
Bis in Zukunft einmal eine Reihe mit zwanzig Pflanzen dasteht, von der dann erst
noch Wein degustiert werden kann, vergehen meistens fünf bis zehn Jahre. Und
von den damals gezüchteten Samen hat höchstens jeder Tausendste jemals dieses
Stadium erreicht. Bis zu diesem Zeitpunkt ist mit der Rebe noch kein Geld verdient
worden, die lange Arbeit hat höchstens viel Geld gekostet. Darum darf man es
wirklich nochmals wiederholen: Wer Reben züchtet braucht viel Erfahrung und
einen langen Atem auf dem Weg zum Erfolg. Hier möchte Biovitis gerne mithelfen.
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